Die Pferdelords und die Korsaren von Um’briel

Das Königreich Alnoa befindet sich in großer Bedrängnis. Seine Küsten werden zunehmend von Korsaren bedroht, Schiffe der alnoischen Marine werden gekapert und zuletzt gelingt es den Piraten sogar die große Hafenstadt Gendaneris in einem Handstreich einzunehmen. Doch davon ahnen die Pferdelords, die sich der Stadt nähern, um Handel mit den verbündeten Alnoern zu treiben, nichts. Und auch die Elfen, die ihre Freunde warnen wollen, geraten in eine tödliche Falle. In einem Kampf werden ihre beiden Ältesten von den Korsaren gefangen genommen und vor den Malaquant geführt, den wahnsinnigen Gebieter der Schwärme der See. Damit steht ihnen ein qualvoller Tod bevor, sollte es den Pferdelords und ihren Freunden nicht doch noch gelingen, sie aus den Händen des Feindes zu befreien.
Leseprobe:
Gendaneris begann hinter ihnen zurückzufallen und die See wurde bewegter. Die Shanvaar begann leicht zu stampfen und die Schaufelräder unter der Brücke am Heck hoben sich gelegentlich für einige Augenblicke aus dem Wasser, drehten leer, bevor sie erneut ins Wasser klatschten und ihr Druck das Schiff vorantrieb. Dennoch war das Dampfkanonenschiff schneller als der beschädigte Korsarensegler. Allmählich holte man zum Feind auf. Helblar warf nachdenklich einen Blick in den Himmel hinauf.
„Es wird bald Dunkeln, ta Mergon, mein Freund. Die Nacht beginnt über die See zu fallen.“
„Wir holen auf“, erwiderte sein Freund. „Zudem werden wir klaren Himmel haben und der Bastard vor uns hat weißes Tuch gesetzt. Wir werden ihn nicht verlieren, mein Freund.“
Mit überraschender Schnelligkeit brach die Nacht herein. Keiner der Seeleute Alnoas hatte einen Blick für die Schönheit des Sonnenuntergangs auf dem offenen Meer. Das Jagdfieber hatte die Männer gepackt. Während das kleine Jagdschiff der Korsaren am
Horizont in der hereinbrechenden Dunkelheit verschwand, kam der beschädigte Kampfsegler immer näher. Seine ungewohnt weißen Segel leuchteten durch die Nacht und es fiel nicht schwer, seinem Anblick zu folgen.
Die Kampfstationen der Shanvaar und ihres Schwesterschiffes Aivaar waren längst besetzt. Im Kanonenturm hatte die Bedienung eines der schweren Geschosse mit seinem Ladepfropfen in die Mündung des Laufes gesteckt und mit einem Rammstock nach hinten gedrückt. Das Geschoss lag nun vor der Druckkammer und es fehlte nur noch das Umlegen des Ventilhebels, um die Maschinenkraft vom Antrieb in das Geschütz zu leiten. Die Kanonenturmbesatzung achtete akribisch darauf, den Feind im Ziel zu behalten und dass die Dampfleitung bei den erforderlichen Bewegungen
nicht beschädigt wurde.
Die beiden seitlichen Katapulte, rechts und links des Hauptmastes in Gefechtsbuchten außen am Rumpf aufgestellt, waren bemannt. Gelegentlich sprühte die Gischt einer Welle über die Männer an den Waffen und durchnässte sie. Entlang der Reling hatten sich die Seesoldaten der Shanvaar formiert. Während die Matrosen nur einen metallenen Brustpanzer trugen, hatten die Soldaten die volle Rüstung angelegt. Bein- und Armschienen, dazu Panzer und Helm. Im Gegensatz zu den Landtruppen des Königreiches Alnoa wiesen die Helme der Seesoldaten jedoch keine verzierenden Federn auf. Die zweischneidigen, geraden Schwerter, Bogen und Spieße wurden noch in Ruhestellung gehalten. Zum Schutz gegen die See waren die Klingen von gut gefetteten Lederhüllen umgeben, denn das Wasser setzte dem Stahl rasch zu. Bald würde dieser Schutz entfernt werden, um die Klingen in das Blut der Schwarmmänner zu senken.
Das Rauschen des Wassers mischte sich mit dem Stampfen der Maschine und dem Klatschen des Schaufelrades und übertönte die üblichen Geräusche, die ein Schiff erfüllten. Das leichte Knarren von Takelage und Holz, das Flappen der Segel, das Tappen nackter Matrosenfüße auf den Planken und die geflüsterten Worte der Männer.
Die Aivaar fuhr nun nahezu auf gleicher Höhe mit dem Flaggschiff und als Helblar kurz nach hinten sah, nickte er zufrieden. „Die Netluaar holt endlich auf. Der Wind der See hat ihr endlich Schnelligkeit verliehen.“
„Sie sind zu spät.“ Ta Mergon lachte leise. „Aber die Männer des Seglers werden einen guten Platz haben, um zuzusehen, wie wir den Korsaren versenken.“
Halblar nickte. „Sie sind jetzt in Reichweite der Kanone, ta Mergon, mein Freund.“
Der Großkapitän lächelte. „Gerade so. Nun, dann lass uns die Bestien einmal aufscheuchen.“ Er beugte sich ein wenig zur Seite. „Nehmt die Bestien unter Dampf! Geschütz frei!“







