Interview mit James A. Sullivan

So, die Weihnachtsgans ist verdaut, die Geschenkeverpackungen wurden artig gemülltrennt, das erste Buch ist durchgeschmökert.

Auch unser neuer Autor James A. Sullivan hat ein wenig Zeit gefunden und ein paar Fragen zu seiner Person und seinem neuen Buch “Der letzte Steinmagier” beantwortet.

Lest selbst:

James, warst du schon einmal in China?

Nein, bisher hatte ich noch keine Gelegenheit dazu. Aber was nicht ist, kann noch werden. Das China, das ich bisher kenne, stammt aus der Literatur und den Medien und hat mich dazu inspiriert, meine Geschichte in einer asiatisch angehauchten Fantasy-Welt spielen zu lassen. Diese erhebt allerdings nicht den Anspruch, das historische China zu zeigen. In einem solchen Setting hätte ich vieles, was ich in meinem Roman gemacht habe, einfach nicht stimmig darstellen können. Außerdem gab es japanische Einflüsse, auf die ich nicht verzichten wollte. Ein Vorteil des Fantasy-Genres ist für mich die Freiheit, eine Erzählwelt zu gestalten, die auf meine Ideen abgestimmt ist, aber zugleich erkennen lässt, woher die Inspiration stammt.

Was hat dich speziell an der Terrakotta-Armee des chinesischen Kaisers gereizt?

Seit ich von der Terrakotta-Armee erfuhr, habe ich mich immer wieder gefragt, warum jemand ein so gewaltiges Werk schaffen lässt, und mir überlegt, wie ein Roman aussehen könnte, der diese Frage beantwortet. Ich habe abseits der eher langweiligen Idee, dass die Figuren zum Leben erwachen und über Grabräuber herfallen, einige Antworten gefunden, denen es nachzugehen lohnt. Eine davon ist die Idee zu “Der letzte Steinmagier”. Sie besteht darin, dass es in der Erzählwelt einige Magier gibt, die durch das Element Stein Zauber wirken können, die ewig währen. Sie knüpfen ein Seelenband zwischen einem Menschen und einer verzauberten Statue. Der Mensch erhält dadurch die ewige Jugend. Er erholt sich erstaunlich schnell von Wunden und widersteht fast allen Krankheiten und Giften. Solange die Statue besteht, ist dieser Mensch nahezu unsterblich. Allerdings stirbt er sofort, wenn seine Statue zerstört wird. Das bedeutet, dass jene, die solche Statuen besitzen, ihr Leben nicht bei sich tragen. Sie müssen ihr steinernes Ebenbild vor der Welt verbergen und sich stets sorgen, dass irgendwer sie findet und zerstört. Aus dieser Grundidee entwickelte ich den Roman, indem ich mir ausmalte, wie eine solche Magie - die Steinmagie - sich auf die betroffenen Menschen und auf ein ganzes Kaiserreich auswirkt. Insofern ist die Terrakotta-Armee für mich die entscheidende Inspiration für den Roman und dessen Erzählwelt.

Zurzeit sind die Terrakotta-Krieger ja wegen des Fälschungsskandals in der Presse…

Das stimmt, und ich musste schmunzeln, als ich darauf aufmerksam wurde. Die Angelegenheit ist natürlich peinlich. Dass es auch anders gehen kann, zeigt ein Blick nach London. Im September waren meine Frau und ich mit Freunden dort und haben uns im British Museum die Ausstellung zum ersten chinesischen Kaiser angeschaut. Dort stehen Originale, und das ist in London ein großes Ereignis. Die Figuren und die anderen Ausstellungsstücke werden ihrem kulturellen Wert entsprechend präsentiert. Es ist mir schleierhaft, wie die Verantwortlichen in Hamburg glauben konnten, es ihrerseits mit Originalen zu tun zu haben. Denn die chinesischen Behörden achten peinlich genau darauf, wo sich ihre Schätze befinden. Es scheint mir, als hätte man den kulturellen Wert der Terrakotta-Armee unterschätzt.

Glaubst du, die Chinesen würden auch dein neues Buch fälschen?

Wenn es denn so käme, würde ich mich geschmeichelt fühlen. Aber wer fälscht bzw. kopiert etwas, das er gar nicht kennt. Mein Roman ist in erster Linie für ein europäisches Publikum geschrieben. In China würde der Text, wenn er denn tatsächlich übersetzt wäre, als sehr merkwürdig, vielleicht sogar als exotisch erscheinen. Ich vergleiche meine Arbeit bei “Der letzte Steinmagier” gerne mit dem, was einige japanische Autoren mit der westlichen Fantasy machen. Mein Roman verhält sich zu Ostasien wie das japanische “Record of Lodoss War” zu Europa. “Record of Lodoss War” in all seinen medialen Ausprägungen spielt in einer von der westlichen Kultur inspirierten Fantasy-Welt. Ursprünglich war der Stoff für Japaner gedacht, fand aber auch (vor allem über die Animes) den Weg zu uns. Auf “Der letzte Steinmagier” übertragen heißt das, dass ich in einer von Ostasien inspirierten Fantasywelt eine Geschichte für deutschsprachige Leser erzähle. Dass bei mir nun aber eine Art Rückkopplung nach Asien stattfindet, wäre vom Standpunkt eines Autors aus zwar wünschenswert, ist aber alles andere als wahrscheinlich. Insofern müssen wir leider ohne Fälschungen und Kopien auskommen.

Zurück zum Original: Was hast du in der Zeit nach den “Elfen” getan?

“Die Elfen” boten einigen Platz für Fortsetzungen. Ich war daran allerdings nur insofern beteiligt, dass ich Bernhard (Hennen), meinen Input gab, wenn es um meine Figuren ging (Obilee und Yulivee). Aber ich schrieb nicht an den Fortsetzungen mit, sondern wollte etwas ganz anderes machen. Ich dachte, dass es mir nach dem Erfolg des Elfenromans möglich sein sollte, für meine anderen Projekte einen Verlag zu finden. Immerhin war ich für die Hälfte des Textes verantwortlich, und Nuramon, eine Hauptfigur des Romans, war bei den Lesern sehr beliebt. Die Wahrheit sah aber anders aus. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich für meine Ideen zu den Terrakotta-Kriegern einen Platz in der Verlagswelt finden konnte. Das war für mich eine zwiespältige Zeit. Auf der einen Seite stand der Erfolg des Elfenromans, der es mir im Moment noch ermöglicht, mich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Dazu kam auch die Gewissheit, dass ich insbesondere mit der Nuramon-Figur viele Leser erreicht hatte. Auf der anderen Seite aber war diese Zeit von erschreckender Perspektivlosigkeit geprägt, weil offenbar kaum ein Interesse an mir als Autor und an meinen Projekten zu bestehen schien. Meine Formulierung für diese Zeit lautet: Im Erfolg erfolglos sein. Dass es schließlich geklappt hat und Mira meinem Roman eine Chance gab, ist für mich gewissermaßen der Lohn der Beständigkeit.

Michael H. Schenks “Pferdelords” werden durch eine ganze Reihe von Büchern galoppieren, kannst du dir auch mehrere “Steinmagier”-Bände vorstellen?

“Der letzte Steinmagier” kann zwar gut auf eigenen Beinen stehen, schließt aber Fortsetzungen nicht aus. Der Stoff bietet noch viele Möglichkeiten, die es zu ergründen lohnt. Ich sagte ja vorhin, dass ich mehrere Ideen zu der Terrakotta-Armee hatte. Ich kann mir nicht nur vorstellen, dass es mehrere Bände geben wird, sondern weiß sehr genau, wovon sie handeln würden. Aber ich möchte den Lesern nur etwas vorlegen, das sie auch interessiert. Für mich selbst kann ich diese Fortsetzungen jederzeit schreiben, aber die Frage, ob diese darüber hinaus als Buch erscheinen, hängt sicher davon ab, wie gut sich “Der letzte Steinmagier” verkauft. Da muss selbst ein Fantasy-Autor ein Realist sein.

Und was macht James A. Sullivan außer Schreiben in seiner Freizeit?

Meine Freizeit gehört zu allererst meiner Frau Heike. Ansonsten bin ich vor allem Rezipient, und zwar in allen Medien, von Büchern und Filmen bis hin zu Comics und Videospielen. Aber als Autor ist für mich das Buch natürlich das wichtigste Medium. Im Moment lese ich ich “The Golden Compass” von Philip Pullman. Auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) liegen u.a. “World War Z” von Max Brooks und “The Dreaming Place” von Charles De Lint.

Eine Reaktion zu “Interview mit James A. Sullivan”

  1. Wetterspitze.info | Fantasy Blog » Rezension: James A. Sullivan “Der letzte Steinmagier”

    […] schrieb gemeinsam mit Bernhard Hennen den Bestseller Die Elfen. Doch fand er, wie er in einem Interview bekannte, für sein erstes eigenständiges Buch, erst nach knapp zwei Jahren einen Verlag. Meine […]

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